Anderwelt -Gibt es eine Anderwelt in der Kunst?

„Malerei, Text, Performance: 
interdisziplinär, mehrdimensional und vielschichtig“ (Jan-Christoph Tonigs)
 ist das ungewöhnliche Kunstprojekt von Sandra del Pilar, 
das am 4.Mai im Siegburger Museum eröffnet wird.

 
Einen Sommer lang hat die Künstlerin Sandra del Pilar eine Gruppe straffällig gewordener Jugendlicher  in der JVA Siegburg besucht und im Anschluss großformatig auf Leinwand gebracht. Vordergründig sind es Selbstinszenierungen von Gewalt und Machtspielen, jedoch liegt das eigentliche Augemerk auf einer – jenseits von Medienbildern und Rollenklischees – malerisch erzeugten Wirklichkeit, in der die Suche nach Sinn, Überforderung, Scheitern, Existenzangst und Frustrationaufscheint.
Diese Erfahrungen sindauch den zukünftigen Leistungsträgern der Gesellschaft nicht fremd, die in Form einer Gruppe von Studenten, den straffällig gewordenen Jugendlichen gegenübergestellt sind. In den Portraits und gemalten Szenerien sind alle miteinander vereint und nicht voneinander zu unterscheiden. 
Die damit aufgerufenen Themen von sozialer Zuordnung, freier Entscheidung, Realisierbarkeit individueller Lebensentwüfe stellen den Begriff der Freiheitzur Disposition. „Die institutionellen Referenzen in Anderwelt sind Metaphern, die uns stimulieren darüber nachzudenken, wie wir mit der Idee der Freiheit sinnvoll umgehen können. Denn unsere Gesellschaft stellt das Problem der Freiheit ... auf eine völlig neuartige, historisch beispiellose Weise“ (Dr. Jochen Venus) und beschränkt sich keineswegs allein auf die physische Dimension von Freiheit und Freiheitsbeschränkung, sondern wird auch im Hinblick auf die Kunst selbst reflektiert.
 
Sandra del Pilar,Stb_ 04, Öl auf Leinwand, 200 x 300 cm
 
 
Sandra del Pilar, Sk_18, Öl auf Holz, 33,5x48
 
 
Sandra del Pilar, Stb_ 05, Öl auf Leinwand , 200 x 300 cm
 
 
Sandra del Pilar, Sk_09, Öl auf Holz, Ca. 51,5x36,5
 
 
Sandra del Pilar, Sk_29, Öl auf Holz, 38,5x53,3
 
 
Sandra del Pilar,Stb_ 03, Öl auf Leinwand 150 x 300 cm
 
 
Sandra del Pilar,Vb_01, Acryl, Kreide, Bleistift auf Papier
 
 
Sandra del Pilar,Vb_02, Acryl, Kreide, Bleistift auf Papier
 
 
Sandra del Pilar,Vb_03, Acryl, Kreide, Bleistift auf Papier
 
 
Sandra del Pilar,Vb_04, Acryl, Kreide, Bleistift auf Papier
 
 
Sandra del Pilar,Vb_05, Acryl, Kreide, Bleistift auf Papier
 
 
Sandra del Pilar,Vb_06, Acryl, Kreide, Bleistift auf Papier
 
 
Sandra del Pilar, Fotografie Performance Vorleser
 
 
Sandra del Pilar, Fotografie Performance Vorleser
 
AUSSTELLUNGSTERMINE

Die Ausstellung Anderwelt wird in den nächsten 3 Jahren in folgenden Museen gezeigt:

• Siegburg (Eröffnung So, 4.5.2014, 11.30. Museum Siegburg, Markt 46, 53721 Siegburg)

• Kloster Bentlage /Rheine (2015)

• Kunstmuseum Wilhelm-Morgner-Haus in Soest (2016)

KATALOG
 
 
Zur Ausstellung erscheint ein vom Landschaftsverband Rheinland (LVR, siehe www.lvr.de) geförderter umfangreicher Katalog mit den Beiträgen namhafter Wissenschaftler, wie Prof. Dr. Jochen Krautz von der Universität Wuppertal, Dr. Matthias Burchardt von der Universität Köln und Dr. Jochen Venus von der Universität Siegen.
AUSZÜGE AUS DEM KATALOG 
Die Kunst der Freiheit ist sie selbst

Was bedeutet es und welche Folgen hat es, wenn eine Ausstellung ...  nicht nur eine Anderwelt ist, sondern sich auch Anderwelt nennt? Wenn sie nicht lediglich den Beweis antritt, dass alles auch ganz anders sein könnte, sondern zugleich auf die Möglichkeiten der Beweisführung aufmerksam macht. Wenn sie also die gesellschaftliche Funktion von Kunst nicht lediglich vollzieht, sondern im gleichen Zug thematisiert?
Die Ausstellung Anderwelt gibt uns ... einen Begriff des Politischen, der auf der Höhe der Zeit ist, indem er die Notwendigkeit des Politischen und die unvertretbar persönliche Verantwortung für die politische Stellungnahme betont... Freiheit ist kein ontologisches Faktum, sondern ein politisches Interesse, dessen Inhalt prekär und immer wieder neu zu bestimmen ist. Das politische Interesse an Freiheit ... kann sich nicht zur Geltung bringen, ohne sich zugleich in einer Kunst der Freiheit zur Disposition zu stellen. Das ist nicht lediglich die These der Ausstellung Anderwelt, diese Kunst der Freiheit ist sie selbst. (Dr. Jochen Venus)

Das gemalte Bild als reale Gegenwart

Die malerische Form holt das Geschehen aus der Virtualität der medialen Repräsentation in die reale Welt des Betrachters. Das Bild zeigt sich als „reale Gegenwart“ (Steiner 1990) eines weit entfernten Geschehens. Es ermöglicht Erfahrung, obwohl es „nur ein Bild“ ist. ... Jeder Pinselstrich, jede Farbschicht, jede der Modulierungen des Inkarnats ist ein Anteilnehmen am Geschehen, von dem wir durch die Distanz der medialen Bilder getrennt erscheinen. Malerei erzeugt eine Wirklichkeit durch die empathische Beziehung der Künstlerin zur Welt. ... Sie ist in ihren gestischen Spuren leiblich anwesend, doch nicht um ihrer selbst willen, sondern als Zeugin des gemalten Geschehens. In ihrer malerisch präsenten Leiblichkeit bezeugt sie das Gemalte...
Anders als viele politisch und sozial engagierte zeitgenössische Künstler, die auf direkte Intervention in die gesellschaftliche Wirklichkeit setzen und dabei aber ephemere, nicht dauerhafte Arbeitsformen wie Performances und Partizipationsprojekte wählen, speichert das klassische Medium der Malerei diese Erfahrung und hält sie für den Betrachter lebendig. Er kann sie daraus lösen und wiederum nachvollziehen, zumindest dann, so wiederum John Berger, „wenn das gemalte Abbild nicht bloß eine Kopie ist, sondern das Ergebnis eines Dialogs, dann spricht das Gemalte   wenn wir zuhören.“ (Berger 1996, S. 40) 
Damit gewinnt das Bild eine andere Objektivität: Nicht die Scheinobjektivität technischer Abbildung, sondern die Objektivität eines menschlichen Gewissens, das sich verletzt fühlt vom Leiden anderer. Und dieses Leiden ist nie subjektiv, es ist immer real. (Prof. Dr. Jochen Krautz)

Die Freiheit eines starken Werkbegriffs 

Man könnte ... fragen, ob die Künste in ihren (post-)modernen Übertreibungen, Provokationen und Indifferenzen nicht sogar mitverantwortlich sind für die geschilderten sozialen und auch kulturellen Krisen, aus deren Verwerfungen die Zwangslagen erwachsen sind, die Sandra del Pilar in ihren Bildern reflektiert. Man könnte insofern die Bilder der Künstlerin auch als ein Plädoyer für einen starken Werkbegriff, für die Beharrlichkeit von Darstellung und dargestelltem Sujet, für eine Kunst, die sich in darstellerischer Könnerschaft, ästhetischer Reflexivität und gesellschaftlicher Verantwortung erfüllt. Die darin formulierte Normativität, welche in der Postmoderne gewissermaßen tabuisiert wurde, erweist sich angesichts der sozialen und politischen Rahmenbedingungen als Voraussetzung von menschlicher Freiheit... (...)
Bewusst spielt Sandra del Pilar auf die Promiskuität der medialen Bilder an, die kurzatmig pulsierend, punktuell flackernd und pornographisch rückhaltlos unsere Netzhaut durchstoßen. Schon allein die Weile des gemalten Werkes und die Größe des Formates ermöglichen uns eine Rückkehr aus der Rolle einer überwältigten Mediengeisel hin zur Person im Welt-Anspruch, und zwar gerade durch die Wahrnehmung unseres Wahrnehmens und einer Kontextualisierung von erinnerten Medienbildern oder Darstellungen der Kunstgeschichte. Sandra del Pilar zeigt uns also auch Bilder über Bilder und das Sehen. Immer wieder unterbricht sie die Mimesis, das naturalistische Abbilden, etwa durch Schriftzüge über den figuralen Konstellationen ... oder durch das Freilegen der Leinwand in Linien, die das Bild unterbrechen, mit der klaren Botschaft: ›Dies ist ein Bild.‹ Zugleich zitiert sie implizit Presse, Internet, Fernsehen und Kunstgeschichte, spielt mit Assoziationen und Seherwartungen, ruft erloschene Bilder in Erinnerung, zerrt die sedimentierten Programmbilder ans Licht und entlässt so das durch propagandistisch implantierte Tiefenbilder gefesselte Sehen wieder in den Freiraum reflexiver Betrachtung. (Dr. Matthias Burchardt)

Interdisziplinäre Verschränkungen

Es geht nicht um soziale Zuordnung, sondern um emotionale Zustände, die in Anderwelt ihren Ausdruck finden und in den begleitenden Performances buchstäblich lebendig werden: Kreidestriche markieren mehrere Zellengrundrisse; den jungen Darstellern darin ... legt sie die Tagebuchnotizen und szenischen Fragmente in den Mund, leise murmelnd,wenn man auf Distanz bleibt, laut und vernehmlich, wenn man es wagt, heranzutreten bis in den Zellenzirkel. Wer nicht zuhören kann oder will, kann auch lesen: die Texte sind im vorliegenden Katalog veröffentlicht. Lesen kann man auch die Schriftzüge, die sich wie ein Band über Wände und Gemälde ziehen und in denen sich die aktuelle gesellschaftliche Grundstimmung eines “Du kannst alles erreichen, Du musst es nur wollen” verdichtet und in einen spannungsgeladenen Kontrast zu den Schicksalen der Jugendlichen gestellt sind. Dass del Pilar dieses Schriftband performativwährend der Vernissage auf Bilder und Wände „kritzelt“, entspricht sinnbildlich den als aggressiv empfundenen gesellschaftlichen Anforderungen, mit denen sich die Jugendlichen ihren eigenen Worten zufolge tagtäglich konfrontiert sehen. (Jan-Christoph Tonigs)

Kunst als Widerstand 

Ich glaube nicht an diese ständig zitierten Populismen, die so allgegenwärtig sind, dass sie einem kaum noch auffallen: „Du musst es nur wollen, dann kannst Du alles erreichen.“ „ Wer nichts leistet hat auch nichts verdient.“  „Es ist ok, dass nur die Stärksten überleben.“ „Man ist was man kann“  und so weiter. Diese schleichend daherkommenden, diskursiv eingesetzten Aphorismen geistern durch unsere Vorstellungswelt, und wir machen sie uns zunehmend als Wahrheiten zu eigen. Aber was ist mit denen, die scheitern? Weil sie – aufgrund ihrer Lebensumstände, ihrer Persönlichkeitsstrukturen, ihrer physischen Beschaffenheit –  eben nicht die Freiheit hatten, ihr Leben selbstbestimmt in die Hand zu nehmen? Sind die alle selber schuld? Es ist sehr bequem, so zu denken. ... Ich finde nicht, dass die Kunst da mitmachen sollte. (Sandra del Pilar)

RAHMENPROGRAMM zu „ANDERWELT“

Die Ausstellung wird  begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm, das u.a. eine Kino-Themenreihe, wissenschaftliche Vorträge, Führungen und Kooperationen mit den Hochschulen von Köln und Wuppertal umfasst.

“ANDERWELT” SANDRA DEL PILAR
04.05.14 – 22.06.14 
Die Ausstellung im Stadtmuseum Siegburg stellt Sandra del Pilar unter die Thematik Freiheit und Schuld. Ihre Anknüpfungspunkte in Siegburg sind die Hexenprozesse des 17. Jahrhunderts und jugendliche Straftäter in der JVA Siegburg. Dabei stellt sie auch gesellschaftliche Fragen. Ist Freiheit vor allem eine physische Existenzform? Was bedeutet es, in einer Gesellschaft zu scheitern, die die Eigenverantwortung über alles stellt? Was ist die Gegenleistung für ein Leben in Freiheit? Das Rahmenprogramm erweitert die in der Ausstellung eröffnete Diskussion, um neue Facetten und andere Blickwinkel. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen teilzunehmen und mitzudiskutieren.

Sonntag | 18.05.2014 | 15 Uhr | Stadtmuseum | Markt 46 | Eintritt 8,- €
„Der entschleunigte Blick“ - eine Dialogführung der besonderen Art
Kunst wirkt! Aber wie? Was muss ich wissen, was kann ich sehen? Die Zugänge zu zeitgenössischer Kunst sind vielfältig und individuell wie die Kunst selbst. Doch ganz gleich, welchen Weg wir wählen – es braucht vor allem eines: ZEIT.
Die Kunsthistorikerin Dr. Nicole Birnfeld und der Kunsthistoriker Olaf Mextorf nehmen sich diese Zeit und begleiten Sie fachkundig bei dieser »zeitgemäßen« Annäherung an die Kunst und laden Sie ein, die Ausstellung von Sandra del Pilar im Stadtmuseum Siegburg zu entdecken.

Dienstag | 20.05.2014 | 18 Uhr | Stadtmuseum | Markt 46 | Eintritt frei
Klaus Jünschke, Autor
„Die Zelle ist kein pädagogischer Ort – für die Abschaffung der Jugendgefängnisse“
Warum sind fast nur arme junge Männer im Jugendstrafvollzug? Sind Arme krimineller als Reiche oder werden sie nur stärker kriminalisiert? Im Jugendstrafvollzug sind 95% aller Gefangenen männlich. Gibt es einen Zusammenhang? Wie sieht der Alltag im Jugendstrafvollzug aus? Warum werden 80% aller erstmals zu einer Jugendstrafe ohne Bewährung Verurteilten rückfällig?
www.koelnerappell.de und www.jugendliche-in-haft.de

Montag | 02.06.2014 | 20.15 Uhr | Kinocenter Capitol | Augustastraße 20 | Eintritt 5,- €
Auftakt der Kinoreihe zur Ausstellung mit dem Film „Schuld sind immer die Anderen“ 
Ben bekommt im idyllisch gelegenen „Waldhaus“ die einmalige Chance auf einen Neuanfang. Als einer von sieben jugendlichen Straftätern, soll er in der familiären Gemeinschaft soziale Kompetenz erlernen und Geborgenheit erfahren. Doch als er auf seine Hausmutter Eva trifft, ist er geschockt: Sie ist eines seiner Opfer. Sein brutaler Überfall auf sie wurde nie aufgeklärt. Während Ben alles versucht, um in der Gruppe nicht aufzufallen, wächst in Eva der Verdacht.

Dienstag | 03.06.2014 | 18 Uhr | Stadtmuseum | Markt 46 | Eintritt frei
Marianne Kunisch, Vorsitzende des Vereins „Nothilfe Birgitta Wolf e.V.“ 
„Der Artikel 2 des Grundgesetzes schützt das Recht auf freie Entfaltung der Persönlich¬keit, soweit nicht das Recht anderer verletzt wird“ 
Die „Anderen“ nennen wir die Opfer. Die Strafverteidigerin Marianne Kunisch kümmert sich auch nach der Verurteilung um die verurteilten Täter, die Strafgefangenen. Die Nothilfe Birgitta Wolf e.V. hat sich das zur Aufgabe gemacht. Seit einigen Jahren vertritt sie auch Opfer von Straftaten als Nebenklägerin. Es ist nicht leicht, sich aus einer einseitigen Identifikation - sei es mit dem Täter, sei es mit dem Verbrechensopfer - freizumachen.
Über diesen Spagat berichtet Frau Kunisch anhand einiger konkreter Fälle.

Mittwoch | 04.06.2014 | 17.30 Uhr | Kinocenter Capitol | Augustastraße 20 | Eintritt 5,- €
“La Zona” 
Drei jugendliche Gelegenheitsdiebe aus dem Armenviertel dringen in die geschlossene und privat überwachte Wohlstandssiedlung „La Zona“ ein und bringen eine ältere Frau um, die sie bei ihrem Einbruch entdeckt. In der Folge neh¬men die aufgebrachten Bewohner des Reichenviertels selbst die Verfolgung der Täter auf und kommen damit auch mit der Polizei in Konflikt.

Donnerstag | 05.06.2014 | 17.30 Uhr | Kinocenter Capitol | Augustastraße 20 | 
Eintritt 5,- €  „So viele Jahre lieb ich dich“ 
Eine Frau, die wegen Mordes an ihrem kleinen Sohn eine lange Haftstrafe verbüßte, wird aus dem Gefängnis entlassen und findet Unterkunft bei der Familie ihrer jüngeren Schwester. Das großartig gespielte, psychologisch dichte Schauspieldrama zwingt den Zuschauer in einen Konflikt zwischen Empathie mit der Protagonistin, die die Erzählhaltung des Films dominiert, und der Antipathie, die man instinktiv gegen ihre Tat hegt. 

Freitag | 06.06.2014 | 20.15 Uhr | Kinocenter Capitol | Augustastraße 20 | Eintritt 5,- €
“Cell 211”
Um einen positiven Ersteindruck bei seinem neuen Job als Gefängniswärter zu machen, besucht Juan Oliver bereits einen Tag vor Arbeitsbeginn seinen künftigen Arbeitsplatz. Es kommt zu einem Unfall, bei dem er bewusstlos wird. Während er versorgt wird, brechen die Gefängnisinsassen aus und bringen den Zellenblock unter ihre Kontrolle. Als die Vollzugsbeamten dies erkennen, lassen sie Juan bewusstlos zurück. Juan erwacht nach einiger Zeit inmitten der Wirren des Aufstandes und gibt vor, ein wegen Mordes verurteilter Gefangener zu sein. Es gelingt ihm, die anderen Gefangenen davon zu überzeugen und sich mit dem Anführer des Aufstands anzufreunden.

Dienstag | 10.06.2014 |18 Uhr | Stadtmuseum | Markt 46 | Eintritt frei
Dr. Wilfried Huck, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und systemischer Familientherapeut
„Aktuelle Gewaltformen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen - individuelle Problematiken auf dem Hintergrund gesellschaftlicher Prozesse“
Der Referent wird die bio-psycho-sozialen Mechanismen der Aggression, Gewalt und Störungen der Impulskontrolle bei jungen Menschen, auch anhand einer Fallvignette, darstellen. 
Gewalt kann als Resultat mehrerer Faktoren betrachtet werden. Biologische Beeinträchtigungen, entwicklungsabhängige Faktoren, soziale Faktoren (z.B. Vernachlässigung, und Bindungsstörungen), kulturelle Faktoren, medienbedingte Einflüsse spielen ebenso eine große Rolle wie Umbruchserfahrungen in spätmodernen Gesellschaften. Außerdem wird er auf die Problematik eingehen, wie aus Opfern Täter werden."

Mittwoch |11.06.2014 |17 Uhr | Kinocenter Capitol | Augustastraße 20 | Eintritt 5,- €
„La Zona“
mit anschließender Führung durch die Ausstellung und Diskussionsmöglichkeit
Siehe oben

Mittwoch | 11.06.2014 | 19 Uhr | Stadtmuseum | Markt 46 | Eintritt frei
Führung mit der Künstlerin durch die Ausstellung mit anschließender Diskussionsmöglichkeit

Donnerstag | 12.06.2014 | 18 Uhr | Stadtmuseum | Markt 46 | Eintritt frei
Künstlergespräch mit Sandra del Pilar zur Entstehung der Ausstellung
Sandra del Pilar spricht mit Barbara Berk, ehem. Leiterin der Schule in der JVA Siegburg, über die Entstehung der Ausstellungsprojekts mit jugendlichen Straftätern und über Ihre persönlichen Erfahrungen.

Montag |16.06.2014 |17 Uhr | Kinocenter Capitol | Augustastraße 20| Eintritt 5,- €
„Schuld sind immer die Anderen“ 
mit anschließender Führung durch die Ausstellung und Diskussionsmöglichkeit
Siehe oben

Montag| 16.06.2014 | 19 Uhr | Stadtmuseum | Markt 46 | Eintritt frei
Führung mit der Künstlerin durch die Ausstellung mit anschließender Diskussionsmöglichkeit

Für Nachfragen, Führungsanfragen und Interesse an Vorträgen und dem Kinoprogramm 
wenden Sie sich bitte an:
Stefanie Kemp M.A., Tel.: 102 74 11,stefanie.kemp@siegburg.de
 

SIEGBURGER HEXENBILDER

Eröffnung So, 4.5.2014, 11.30. Museum Siegburg, Markt 46, 53721 Siegburg

Sandra del Pilar geht in diesem zweiten Werkblock, der der Ausstellung „Anderwelt“ angegliedert ist, explizit auf den Ausstellungsort Siegburg und seine Geschichte ein. Sie verknüpft  die Gegenwart von Anderwelt mit der Vergangenheit der Siegburger Hexenprozesse. Deutschlandweit hat die Künstlerin Frauen ausfindig gemacht, die die gleichen Vor- und Nachnamen tragen wie seinerzeit die Siegburger ‚Hexen‘. Einige dieser Namensvetterinnen haben den historischen Opfern ihr Gesicht geliehen.

„Die Beurteilung der rechtlichen Gegebenheiten ebenso wie die der individuellen Handlungen unterliegt einem historischen Wandel; jede Zeit fällt ihr Urteil unter anderen Gegebenheiten, Sichtweisen und Umständen neu. Im Grunde aber wiederholt sich das elementare Scheitern des Einzelnen im Rahmen des Gesellschaftlichen immer wieder. Die Auseinandersetzung mit diesem Scheitern, das potentiell einen jeden von uns jederzeit schicksalhaft ereilen kann, führt Sandra del Pilar eindringlich ... vor.“ (Dr. Gundula Caspary)
 

Sandra del Pilar, Hexenbild: A. Kremer, Öl auf Leinwand, 150x150.
Über die Hexenbilder – „Die Macht der Bilder“

Sandra del Pilar wirft mit ihrer eloquenten Malerei Fragen auf, die die Grundfeste der Gesellschaft berühren. Sie tut dies auf unterschiedlichsten Wegen, über die Auseinandersetzung mit der Historie ebenso wie mit der Gegenwart, stets gebunden an einzelne wahre Schicksale, zugleich in eine höhere, abstrahierte Ebene transponiert, die ihre Aussagen universal macht. Sie tut das mit der Macht der Bilder, von denen sie weiß, dass sie unsere Welt und unsere Wahrnehmung der Welt bestimmen. Von dem Schicksal eines Opfers der Hexenverfolgung aus den Prozessakten zu erfahren ist das eine; sich mit diesem Schicksal zu identifizieren gelingt indes eher, wenn es eine bildliche Gestalt hat, ein Gesicht, in dessen Ausdruck man sich emotional einfinden kann. Sandra del Pilar verleiht dem Schicksal ihrer Protagonisten ein Gesicht, bringt es (das Schicksal) oder sie (die Protagonisten) uns auf diese Weise nahe und öffnet unsere Sinne für die Tiefen, die Abgründe und Nöte, die Leiden und Verzweiflung derer, die auf welche Weise auch immer mit dem herrschenden Gesetz in Konflikt geraten sind. Und dies nicht allein, um unsere mitfühlende Anteilnahme an diesen Schicksalen zu evozieren, sondern um uns zur Auseinandersetzung mit der damit verbunden Problematik und unserer sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Verantwortung im Denken und Handeln herauszufordern. (Gundula S. Caspary, Auszug aus dem Katalog „Anderwelt. Sandra del Pilar“)